Perspektive für Perle im 60. Jubiläumsjahr?

2017 ist ein besonderes Jahr für unsere kleine Kölner „perle“ im Park:  der Rheinpark feiert sein 60-jähriges Bestehen.

In Zeiten von steigender Furcht vor Überfremdung, Radikalisierung und Abwanderung in digitale Welten sind menschliche Begegnungen auf Augenhöhe und gegenseitiger Respekt wichtiger denn je. Als wichtigster Kölner Naherholungspark in zentraler Lage direkt am Rheinufer fördert der Rheinpark den gesellschaftlichen Austausch, klassenübergreifend und kulturübergreifend. Er ist ein Ort an dem wir kommunizieren können und nicht nur konsumieren sollen.

Blumen blühen am Rhein” war das Motto der Bundesgartenschau 1957. Durch Hoffnung, Respekt und Sinnhaftigkeit erblühen Menschen. Das kleine Café im Rheinpark ist ein Ort, an dem der Besucher menschliches Maß und Heiterkeit spürt.

1957_brücke vor parkcafe

2007 wurden die Mühen und Aufwendungen der Stadt Köln für die Sanierung der Grünanlage prämiert durch die Auszeichnungen: „Deutschlands schönster Park 2007“ und dem 2. Platz beim Wettbewerb „Europe’s Best Parks 2008“.

Am baulichen Herzstück der Parkanlage ist seit der Eröffnung 1957 nichts geschehen, der Sanierungsrückstand ist enorm.

Im Sommer 2016 berichtete die Lokalpresse über den Beginn der Sanierungsarbeiten nachdem ein Kompromiss gefunden wurde zwischen Stadt, Architekt, zukünftiger Betreiber und dem Sohn des verstorbenen Grazer Architekten als Urheberrechtsinhaber.

Sowohl Urheberrechtsinhaber wie auch der Gestaltungsbeirat der Stadt Köln wurden 2015 neu in den Planungsprozess integriert. Umplanungen waren notwendig geworden um den ursprünglichen Gebäudecharakter zu erhalten.

2017_frontseite parkcafe

Die Kölner Rundschau berichtete im Mai 2016 dass die Betreibergesellschaft demnächst ein Infopavillon aufstellen wird „in dem sich Interessierte über Planungen und Neukonzeption informieren können“. Bislang wurde kein Infopavillon aufgestellt. Öffentliche Informationen über das geplante Betreiberkonzept des Konsortiums und die angestrebten gestalterischen Sanierungsqualitäten gibt es keine, ein Baustellenschild mit Projektverantwortlichkeiten ebensowenig.

Welche architektonischen Qualitäten sind mit dem aktuellen Budget zu retten und wie viel Extra-Budget ist notwendig damit die „Rheinparkperle“ wieder richtig schön wird?

Erschwerend kommt hinzu, dass Anfang Dezember 2016 die zuständige Wirtschaftsdezernentin für die Sanierung des Parkcafés Ute Berg ihren Abschied bekanntgegeben hat. Ab März 2017 ist die Stelle vakant. Politisch wird verhandelt, ob die Stelle überhaupt neu besetzt wird.

Wer ist 2017 als neue Bauherrin oder neuer Bauherr zuständig für die Perle?

whoiswho+ksta

„Bauen für ein schöneres Köln“ betitelte Tim Attenberger im Kölner Stadtanzeiger zum Jahreswechsel seinen Rückblick über die Bauaktivitäten in der Domstadt. Sein Titelbild zeigt groß den Dom und im unteren Bildrand etwas von der neuen östlichen Domumgebung. Textlich kommentiert er die Kölner Großprojekte: Rheinboulevard, Deutzer Hafen, Historische Mitte, Spielkasino, Oper und Schauspielhaus, Kalkberg, Archäologische Zone und Stadtarchiv. Sein Fazit: Verzögerungen und Verteuerungen verringern die Akzeptanz von Großprojekten – Darüber werden Verbesserungen im Stadtbild wie die östliche Domumgebung und der Rheinboulevard leicht übersehen.

Auch Kleinprojekte haben mit Verzögerungen und Verteuerungen zu kämpfen. Bauen ist komplex, unsere Ansprüche und die technischen Anforderungen steigen stets. Wenn es dazu auch noch schön sein soll, kostet es eben einen kleinen Taler mehr. Insbesondere bei einem Denkmal. Die Akzeptanz in der Bevölkerung beim Kleinprojekt Rheinparkcafé kann dafür besser nicht sein. Wenige Gebäude in der Stadt haben solch einen hohen Identifikationscharakter und Erinnerungswert in der Bevölkerung. Umso mehr verwundert es, dass so wenig in der Öffentlichkeit über konkrete Inhalte und Ziele der anstehenden Sanierung bekannt wird.

Es hat mich daher sehr gefreut, dass die Wertschätzungsarbeit von „perle sucht dame“ von der Bundesstiftung Baukultur mit einem Eintrag im „Who is who“ der Baukultur 2016-2017-2018 gewürdigt wurde. Ich hoffe diese „perle“-Ehrung aus Berlin trägt dazu bei, die anstehende Sanierung lokal zu befördern.

2017_rückseite parkcafeEin öffentlicher Dialog über konkrete Inhalte und Ziele der anstehenden Sanierung tut Not.

Unterstützer und Multiplikatoren aus der Stadtgesellschaft sind gefragt, um den ins Stocken geratenen Prozess zu einem guten Ende zu bringen. Die Suche nach öffentlichen Förderern für Schönheit und Gemeinwohl bei der Sanierung der „perle“ in Politik, Presse und Verwaltung hat gerade erst begonnen – noch ist es kein Thema.

AufbruchO!
Oliver Grebe

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo,
    schon seit meiner Jugend beobachte ich den Verfall der Gebäude im Rheinpark. Vor vielen Jahren – als die rheinterrassen auch noch eine Ruine waren – habe ich beim Tanzbrunnen schon angefragt, ob man das Objekt nicht kaufen und sanieren könne.

    Als Inhaber einer Werbeagentur habe ich mich auf das Design der 50er spezialisiert. Sollte es künftig Bedarf in dieser Hinsicht geben, insbesondere was Innenarchitektur, Dekoration, Farbgebung und Gestaltung angeht, so würde ich gerne helfen.

    LG
    Ralf Hermanns

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