Parkcafé am Tag des offenen Denkmals 2017

VON OLIVER GREBE

Das kleine überregional bedeutende Kölner Architekturjuwel war dieses Jahr nicht Teil der bundesdeutschen Denkmäler, die der interessierten Öffentlichkeit ihre Türen öffneten. Der Grund: es wird modernisiert. Konkreter: Entkernung und Teilabriss finden statt. Wer Bauherr ist, Wie es nach der Modernisierung Außen und Innen aussehen soll und Was das neue Betreiberkonzept für den Architekturcharme des Herzgebäudes der Bundesgartenschau 1957 bedeutet, ist bislang nicht klar erkennbar. Die Ende März 2017 abgegebene schriftliche Anfrage zum Sachstand der Baumaßnahme bei der Kölner Stadtverwaltung seitens „perle sucht dame“  ist bislang unbeantwortet.

Parkcafé September 2017

Baustelle Parkcafé 10.09.2017: im Vordergrund Einzelteile der abgebrochenen Stahlbetonrampe zur Aussichtsplattform. Foto: © Oliver Grebe

Parkcafé August 2013

Langgezogene Stahlbetonrampe mit Zwischenpodest als beschaulicher öffentlicher Zugang zur Aussichtsplattform mit Domblick. Foto: © Oliver Grebe

Das diesjährige Motto zum Tag des offenen Denkmals „Macht und Pracht“ und das diesjährige 60-jährige Jubiläum der Bundesgartenschau wären passende Chancen gewesen, mehr über konkrete Zukunftspläne der Modernisierung zu erfahren.

Warum tun sich alle beteiligten Akteure damit so schwer die Öffentlichkeit zu informieren?

Cover der Onlinebroschüre, © Stadtkonservator/in, Amt für Denkmalschutz und Denkmalpflege

Die Machtfrage
„Vieles aus dem alten Köln ist in den vergangenen 200 Jahren zerstört worden“ erläutert die Oberbürgermeisterin Henriette Reker im Grußwort und Programm 2017 zum Tag des offenen Denkmals 2017 (Online) „Im privaten Bereich spielt der Wunsch, sich mit einem „schönen“ Umfeld zu umgeben, schon immer eine wesentliche Rolle. Im öffentlichen Bereich dagegen wird prachtvolle Architektur für „Macht“ gewählt. Dieser Begriff beschreibt im positiven Sinn die Nutzung von Fähigkeiten, steht aber auch oft als Synonym für „Herrschaftsausübung“. Historische Zeugnisse der Macht in Köln beschreiben beides: Einerseits drücken private wie öffentliche Bauten mit ihrer prachtvollen Architektur den herrschaftlichen Willen vergangener Zeiten aus. Auf der anderen Seite sind vor allem die öffentlichen Gebäude, die nach Kriegszerstörungen im funktionalen, zurückhaltend-eleganten Stil der 1950er-Jahre wieder aufgebaut wurden, repräsentative Ausdrucksformen für den demokratischen Anspruch unserer Zeit und der Kölner Bürgerschaft.“

Insbesondere der letzte Satz trifft enorm auf das Bundesgartenschaugelände 1957 zu: der Neubau der innovativen großen Gartenanlage mit Gastronomiearchitekturen war ein einmaliges Beispiel der gelungener Zusammenarbeit von Gartenbaukünstlern und Architekten und ein gebautes Sinnbild für eine demokratische Gesellschaftsvision die sowohl Öffentliche Erholungsqualität wie auch gestalterische Schönheit als Ziel hatte. Darüber hinaus war die Buga „Motor der Stadtentwicklung und Stadtwerbung“ (FAZ Magazin, Mai 2017, Café mit Aussicht) dazu.

Wer hat 2017 die Macht diese ehemalige gebaute Pracht von 1957 zu retten?
Aktuell entsteht der Eindruck, dass die neuen Betreiber mit der verantwortungsvollen Aufgabe alleine gelassen werden: Es gibt kein Bauschild, an dem bauliche Verantwortlichkeiten zu erkennen sind.

Viele offene Fragen
Die Sonderedition „Aufbruch?“ der Kölner Initiative „perle sucht dame“ möchte Antworten finden auf die vielen offenen Fragen zur Modernisierung. Sie möchte das Interesse an Lösungen in die Fachwelt und in die Öffentlichkeit tragen. Wir erwarten, dass die Qualitäten des Gebäudes, seine Offenheit, Leichtigkeit und Eleganz durch die laufende Sanierung und den geplanten Umbau behutsam gesichert werden und erhalten bleiben.

Baustelle Parkcafé 10.09.2017 hinter gelbem Infopavillion und weißem Toilettencontainer (rechts). Kölner Sonderedition „Aufbruch?“ mit Coverfoto von Hans Engels (links). Foto: © Oliver Grebe

Wir möchten daher alle an der Umsetzung Beteiligten mit Nachdruck ermuntern, sich weiterhin diesem Ziel zu verpflichten. Wir sehen die einzigartige Chance, noch eine Rettung mit hohem Qualitätsanspruch und Respekt vor dem architektonischem Erbe zu verwirklichen. Wir hoffen darauf, dass die Unterstützer des Buchprojektes auch bei der Suche nach Partnern für überregionale Förderungen behilflich sein werden.

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