Ein Perlenfoto für koelnarchitektur

VON OLIVER GREBE
Das Internetportal der Architekturstadt Köln koelnarchitektur hatte zur Beteiligung am Weihnachtsfotowettbewerb 2018 eingeladen. Das diesjährige Thema: Rundbau – die sinnlichste Seite der Architektur. Mit einem aktuellen Foto der Baustelle machen wir mit!

Über ein Onlinevoting unserer Facebookseite „das Rheinparkcafé im Aufbruch“ haben wir zwischen zwei Fotos vom Dezember 2018 das einzureichende Foto ermittelt.

FOTO 1: Die einst sinnlichsten Kurven Kölns, Rheinparkcafé 1957. Foto © Oliver Grebe, Dezember 2018. Blick der aktuellen Sanierungsbaustelle vom Staatenhaus aus kommend.

 

 

 

 

 

 

 

FOTO 2: Die einst sinnlichsten Kurven Kölns, Rheinparkcafé 1957. Foto © Oliver Grebe, Dezember 2018. Rückseitiger Blick der aktuellen Sanierungsbaustelle.

 

 

 

 

 

 

 

 

Mit klarer Mehrheit gewann Bild 2 mit 36 zu 3 „Gefällt mir“-Meldungen, zum Teil mit persönlichen Kommentaren. (Erreichte Personen: 1.161, Interaktionen: 281). Unter den Votingbeteiligten befinden sich renommierte Architektenkollegen wie Prof. Jörg Leeser, Prof. Juan Pablo Molestina, Prof. Jens Casper, Amandus Sattler, sowie Sabrina Ginter als Pressesprecherin der Bundesstiftung Baukultur, die Stiftung Stadtbaukultur NRW, Big Beautiful Buildings und viele andere mehr.

Was ist zu sehen?
Das Foto 2 zeigt die Rückseite der aktuellen Baustelle des Baudenkmals Rheinparkcafé. Trotz aktuellem ruppigem Baustellencharakter ist das schwungvolle und sinnliche Architekturprinzip der 50er Jahre mit Nierentischcharme gerade jetzt gut erkennbar: Leichtigkeit und Transparenz.
Die abgebrochene Originalfassade ermöglicht aktuell den Blick durch das Gebäude hindurch. Die beiden horizontalen Ebenen – die organisch geschwungene Geschossdecke und das ausladende Flugdach – zeigen die Sinnlichkeit dieser kurvigen Formensprache der Nachkriegsmoderne. Aktuell ist alles so gut erkennbar wie eine OP am offenen Herzen.

Warum sollte dieses Bild einen Preis bekommen?
Das Bild zeigt die Schönheit und gleichzeitig die Verwundbarkeit dieser Baukultur der 50er Jahre – und damit insbesondere der Kölner Baukultur dieser Epoche. Ob der einstige Charme des Herzgebäudes der Bundesgartenschau 1957 durch die aktuelle Sanierung bewahrt wird, ist noch sehr ungewiss; Qualitätsziele sind öffentlich noch nicht bekannt.

Ein Bildpreis kann die öffentliche Wahrnehmung für die Sinnlichkeit und den einzigartigen Charme dieses kleinen Gebäudes schärfen – und damit zu einem notwendigen Prozess des Würdigens beitragen. Im besten Fall sogar zu einer respektvollen Gebäuderettung. Als Architekten und Augenmenschen können nur wir diese Vermittlungsrolle einnehmen weil wir die Gefahr vorausahnen. Wer sonst könnte das Potential des aktuell behandelten Patienten erkennen?

Bauhausjahr 2019 und Köln. 2019 werden wir das große Bauhaus-Jubiläum bundesweit feiern und damit die Avantgarde der Architektur. Köln könnte mit dem Rheinparkcafé und dem Rheinpark daraus Kapital schlagen, indem der Geschichtsbezug zwischen der Kölner Werkbundaustellung 1914 und der Deutschen Bauhausbewegung hergestellt wird. Als wichtiger Vorläufer brachte die Kölner Ausstellung 1914 Kunst und Handwerk zusammen. Das Rheinparkcafé steht auf diesem geschichtsträchtigen Gelände – und braucht dringend Kunstkenner und Handwerkermeister.

Rheinparkcafé, Demokratie und Gesellschaft. Nach den Schrecken und der durch Nazi-Deutschland verursachten Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges präsentierte die Bundesgartenschau 1957 eine neue gesellschaftliche Hoffnung: Die Bundesgartenschau war ein gebautes Sinnbild einer demokratischen Gesellschaftsvision. Sie zeigte das respektvolle Miteinander der unterschiedlichen Disziplinen Architektur, bildende Kunst und Landschaftsbau. Das Rheinparkcafé als sein Gastronomisches Herzgebäude verkörperte einst diese gesellschaftliche Utopie: Schönheit für alle.

Rheinparkcafé 1957 zur Bundesgartenschau. Architekt Rambald von Steinbüchel-Rheinwall. Foto © Archiv der Stadt Köln

Kann es sinnstiftenderes für Gestalter mit Gemeinwohlsinn geben?

Glückauf für unser Baustellenfoto bei der Jury von koelnarchitektur!

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