Demokratie, Bauen, Identität

VON OLIVER GREBE
war die Überschrift des interdisziplinären Symposiums am 10. Februar beim Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) in Bonn. Genauer gesagt, die Bundesbauten in den Jahren 1949 bis 1990 waren Betrachtungsgegenstand. Die Bundesgartenschau 1957 in Köln fällt somit in diese Zeit, als Herzgebäude der Bundesgartenschau ist das Rheinparkcafé ein Bundesbau, richtig?

10.02.2017 Symposium Bundesbauten

Veranstaltungsflyer Symposium Bonn 10.02.2017

„Die Analyse der Bauten der Bundesrepublik Deutschland und ihrer Entstehungsgeschichte erlaubt eine in Teilen neue Sichtweise auf den Prozess der Identitätsfindung der BRD. Darüber hinaus eröffnet sie nicht nur neue Ansätze für den Umgang mit dem baukulturellen Erbe der Bonner Republik, sondern auch eine erweiterte Sicht auf die aktuelle bauliche Darstellung des Bundes in Berlin und im internationalen Kontext“. So der Ankündigungstext im Flyer.

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Global denken – lokal handeln. Überregionaler Input lokal angewandt. (Bildmontage: Oliver Grebe)

Vereinfachter: Welche Haltung repräsentiert Deutschland durch seine Bauten im Inland und im Ausland?

Die Veranstaltung des Instituts für Architekturgeschichte der Uni Stuttgart, dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit sowie dem BBR fand Dank der Unterstützung der Wüstenrot Stiftung statt.

Durch Fachvorträge von Bauherren, Historikern und Soziologen wurden Antworten auf heute noch offene Fragen zur Bedeutung der Nutzung, der Umnutzung, dem Weiterbau und der Denkmalpflege erarbeitet. Als besondere Merkmale der Demokratie zitierte der Kölner Ministerialdirigent Ralf Poss die ehemalige Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth: Offenheit und Transparenz.

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Weisheiten in Stein gemeißelt: Eingangstafel am BBR, Deichmanns Aue, Bonn. (Bild: Oliver Grebe)

Als Anspruch für die Auszeichnung der Bundesbauten nannten die Akteure und Fachleute:

– Hohe Gehaltstauglichkeit
– Städtebauliche Anpassung
– Architektonische Qualität Innen und Außen
– Identität stiften
– Nachhaltigkeit

Als Merkmal demokratischen Bauens soll nicht nur Wirtschaftlichkeit sondern mit Bedeutungsüberschuss gebaut werden. „Mehr Begeisterung wagen“. Der Kölner Kunsthistoriker Nußbaum plädierte dafür „die freien Kräfte der Gesellschaft zum Spielen einzuladen. Anti-Demokratisch sei jedoch das Zerstören von Architektur“.

Inhaltliche Parallelen zur „perle“ Rheinparkcafé entdeckte ich allerorten. Insbesondere aber in den leichten, filigranen und transparenten Bauten der großen Baumeister der Bonner Republik wie Egon Eiermann, Sep Ruf, Hans Schwippert u.a. Das ist die „perlen“-Liga.

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v.l.n.r.: Prof. Dr. Norbert Nußbaum, Ministerialdirigent Ralf Poss, Prof. Dr. Klaus Jan Philipp, Petra Wesseler, Prof. Dr. Kerstin Wittmann-Englert und Dr. Angelika Schyma im „Schlosstrakt“ des BBR in Bonn. (Bild: Oliver Grebe)

Während der reichlichen Kaffeepausen suchte (verfolgte) ich honorigen Damen und Herren, um wertvolle Tipps zur Wertschätzungskampagne der kleinen Kölner „perle“ zu bekommen. Als hoffnungsvolles Beispiel einer jüngsten Bundesförderung aus dem Bereich der Öffentlichen Bauten und der damit verbundenen Rettung als nationales Kulturgut wurde mir das Strandbad Müggelsee genannt.

Sehr erfreulich, dass nicht nur große Verwaltungsbauten in die Kategorie: Nationales Kulturgut  kommen! Meines Wissens wurde bislang noch kein Förderantrag auf Bundesebene für die Sanierung der „perle“ beantragt, um die kommunalen Kassen zu entlasten.

Die Suche geht weiter…

Mehr Inspirierendes und Kompetenteres zur Veranstaltung zu lesen bei „marlowes“: Dr. Ursula Baus

 

 

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