Buchübergabe an den Leiter des Kölner Rheinparks

VON OLIVER GREBE (Text+Bild)

Unter dem Motto “Indian Summer“ führte Harald Schuster-Pieper am vergangenen Sonntag interessierte Besucher durch die 2007 als schönste Grünanlage Deutschlands ausgezeichnete städtische Parkanlage. Es war die Abschlussveranstaltung des Jubiläumsprogramms „60 Jahre Kölner Rheinpark“, der Veranstalter Förderverein Kölner Rheinpark e.V., Stadt Köln und der Kölner Seilbahn.

Ich nutzte die Veranstaltung, um Herrn Schuster-Pieper ein Exemplar der Sonderedition Aufbruch? persönlich zu übergeben. Es ist eine Kleinstauflage als Sonderedition mit dem Rheinparkcafé auf dem Buchcover aufbauend auf meine private Initiative »perle sucht dame«, die mittlerweile eine große Zahl bundesweiter Unterstützer findet: Bund Deutscher Architekten BDA Köln, haus der architektur köln, Bundesstiftung Baukultur, koelnarchitektur, Stiftung Stadtgedächtnis, Landesinitiative StadtBauKultur NRW 2020, Kunsthistorische Institute der Universitäten Köln und Bonn und viele weitere private Unterstützer.

Zum Spaziergang hatte ich meine „Rheinpark-Bibel“ eingepackt. Das Buch „Der Garten am Strom, der Rheinpark in Köln“ von Joachim Bauer, Dieter Klein-Meynen und Henriette Meynen ist ein außergewöhnlicher Fundus an inspirierender historischer Dokumentation. Dank großem persönlichem Engagements des ehemaligen Bürgermeisters Fritz Schramma erschien 2007 dieses Buch pünktlich zum 50-jährigem Parkjubiläum und der Fertigstellung der aufwendigen Parksanierung. Sehr empfehlenswertes Buch!
Die Bedeutung der „perle“ für den Park belegt das Buchcover. Der beherzten Intervention des Urheberrechtinhabers 2015 ist zu verdanken, dass das leichte Flugdach des Sonnendecks nicht mehr durch eine neue Glasfassade geschlossen werden soll. Das elegante Wechselspiel zwischen Architektur und Parklandschaft wird durch das Coverbild trefflich vermittelt.

Start am Parkcafé (1). Hier ging es los. Unsere Truppe war überschaubar – perfekt um alle Infos aus erster Hand mitzubekommen. Herr Schuster-Pieper erläuterte am Startpunkt einen wichtigen Unterschied zwischen der Architektur des gegenüberliegenden Staatenhauses und dem Rheinparkcafé: Die Architektur vor dem II. Weltkrieg ist eine Architektur der Ordnung. Die vertikale Gliederung vermittelt klare Hierarchien. (Meine Ergänzung: Sie ist auch ein Zeichen von Herrschaftsausübung). In bewusster Abkehr dazu war der Neubau der innovativen großen Gartenanlage zur Bundesgartenschau 1957 mit seinen Gastronomiearchitekturen ein gebautes Sinnbild für eine demokratische Gesellschaftsvision. Das Ziel war sowohl Öffentliche Erholungsqualität wie auch gestalterische Schönheit. Die organische Formensprache zeigt das respektvolle Mit- und Nebeneinander unterschiedlicher Disziplinen, hierarchielos. Es ist ein einmaliges Beispiel einer gelungenen Zusammenarbeit von Architekten und Gartenbaukünstlern.


Der neue Infopavillion der zukünftigen Parkcafé-Betreiber Campione/Tinzmann war an dem Tag leider nicht geöffnet. Interessierte Fragen der Gruppe zum Planungsfortschritt der Sanierung blieben unbeantwortet. Es ging weiter in Richtung Jugendpark mit einer Zwischenstation an einem Amerikanischem Tulpenbaum und mehreren kleinen Umwegen bedingt durch Hinterlassenschaften der Überbevölkerung an Kanadagänsen…

Vor dem ehemaligen Rosencafé (2) besichtigten wir das neu verkleidete Teilstück der Schlangenwabenwand. Nach Auskunft von Herrn Schuster-Pieper wurde das ermöglicht, Dank der Kooperation der Bauindustrie. Toll, dass der typische 50er-Jahre Werkstein im Wabenformat neu hergestellt wurde und auch die Vielfalt der Farbtöne wiederhergestellt wurde. Liebevolle Detailarbeit. Ich hoffe die Kooperation erstreckt sich noch über die Gesamtmauerlänge.

Hinter der hohen Hecke der Claudius-Therme konnten wir gerade noch einen oberen Teil des ehemaligen Rosencafés erblicken. 1957 war das zum Park hin dreiseitig verglaste Café mit seinen „Schwingen“ einst Ausdruck der vollendeten Leichtigkeit und die größte Gastronomie im Rheinpark. Aktuell ist es für die Rheinparkbesucher leider nicht mehr nutzbar: Das Betreiberkonzept der Claudius-Therme hat die ursprünglich vorgesehene Öffentliche Nutzung der filigranen Gastronomiearchitektur gekappt. Wellness gibt es jetzt nur noch für Indoorkunden.

An einem naheliegenden Ginkgobaum lernte ich von Herrn Schuster-Pieper, dass diese Baumart als Symbol des Friedens ausgepflanzt wurde, als einzige Baumart hat er die Atombombe 1945 in Hiroshima überlebt.

An den Wasserterrassen gab es einen längeren Stopp. Die leichten Pergolen aus Metall waren Anlass für eine interessanten Exkurs in die Vergangenheit der Gartenschauen 1957 und 1971 und für eine Diskussion über das Wechselspiel von Natur und Skulptur. Vorbei am Malerwinkel und am Wirtschaftshof des Amtes für Grünflächen und Landschaftspflege gelangten wir wieder zum Startpunkt. Als letztes Bild musste ich natürlich noch die Liebesperlen in voller Blüte fotografieren. Mehr Symbiose von Natur, Architektur und Wortspielerei geht nun wirklich nicht.


Großes Dankeschön an Herrn Schuster-Pieper für den inspirierenden Rundgang – bis zum nächsten Mal!

 

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